Helmut Hannig - Der Hase der Tee trinkt

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SAMOA
SAVAI'I - eine Insel, die mich entdeckt

128 Seiten, gebunden, Lyrik mit Holzdrucken und div. Farbfotos
ISBN 978-3-942063-83-8 € 29,90
Sonderausgabe mit einer landestypischen Tapa als Bucheinband und einem Original-Holzdruck eingelegt
nummeriert und signiert € 68,--

Der Originalholzdruck von Helmut Hannig nach einem Motiv von: Siapo 'elei,
kann gesondert für 40,-- € plus Versandkosten bestellt werden.
(Größe 16 x 16 cm)

...ist ein Gedichtzyklus mit Prosastücken und Holzdrucken aus dem kulturellen Lebensraum der Samoaner, aufgeschrieben und festgehalten anlässlich eines längeren Aufenthaltes auf Savai'i.
Ein Erstausgabe-Werkstattbuch mit Original-Holzdrucken liegt jetzt vor.




Savai’i – eine Insel, die mich entdeckt ist ein Zyklus von 91 Gedichten und Prosastücken, die die Lebenswelt auf den Samoainseln einfangen und von einer Reise des Autors Helmut Hannig zu diesen Pazifikinseln berichten. Es geht dabei gleichermaßen um das eigene Erleben und Empfinden des Autors (der hier mit dem lyrischen Ich identifiziert werden darf) wie um die Lebensumstände der Einwohner, die arbeitsam, gelassen und bescheiden inmitten der paradiesischen Natur ihr Auskommen finden, wie um Ursprungsmythos und geologische Entstehung des Lavaarchipels.
Von hoher Poetizität, doch immer erschließbar und nachfühlbar für den Leser, sind die aufmerksamen Naturbeschreibungen. In der überwiegenden Zahl der Gedichte ist das Maritime Thema oder steht doch im Hintergrund des Geschehens. Auf einer Insel weit draußen im Pazifik bilden „das Meer mit seinen Getreidefeldern // mit seinen Kristallen“ und das Leben im Takt der Gezeiten naturgemäß den Themenkern. Das Spiel von Wellen, Licht und Wind wird immer wieder neu in Worte gekleidet: „für einen Augenblick nur // zeigt ein Streifen Türkis // unter den Wellenkämmen // eine Nuance Helligkeit // als blicke das Meer für einen Moment // aus der Tiefe seines Schlafes empor“. Oder ein Beispiel aus einer der Prosaskizzen: „jeden Morgen nehme ich die aquamarinblaue Meeresfläche mit ihren türkis gesprenkelten Untergründen in mich auf, den grünvioletten Einsprengseln dazwischen, den wie verloren gehenden Drehspindeln der Wellenkämme und immer dieses Rollen des Wassers“.
Neben den Geschehnissen und Erlebnissen in der Inselwelt werden allgemeine Betrachtungen – „nichts ist so schwer // wie Unbekanntes zu entriegeln // den Himmel aufzuschließen“ –, Gedanken zu Liebe und Alter und Erinnerungsbilder aus der Biografie des Autors eingeflochten. Bewegend sind jene Passagen, die an die Not der Nachkriegsjahre erinnern, in denen der Autor, vertrieben aus dem Sudetenland und von Hunger und Kälte bedroht, „jeden Morgen // nur Wind in den Händen“ vorfand.
Liebe und Begehren spielen eine wichtige Rolle in der Poesie Helmut Hannigs. Dabei verletzt er keine Schamgrenzen und findet doch Worte, die Bilder von Körperlichkeit aufsteigen lassen, ohne den letzten Schleier zu lüften. Oftmals bleibt es auch bei der reinen Bewunderung körperlicher Schönheit, wie sie sich auf der Pazifikinsel so offenherzig präsentiert, aus der Distanz, bei einer Betrachtung aus respektvoller Entfernung. So schließt eines der Huldigungsgedichte, das die Schönheit einer Samoanerin preist, lakonisch wie realistisch: „und wenn es einen Weg gäbe // begegneten wir uns“.
Sprachlich bewegen sich alle Texte auf einem hohen Niveau. Der Autor scheut sich nicht, den lyrischen Sprachraum um Fremdworte und Begriffe aus Fachsprachen oder durch Anachronismen und historische Anleihen zu erweitern. Er schöpft aus einem umfassenden Wort- und Sprachschatz, der im vorliegenden Werk noch durch Fundstücke aus der samoanischen Sprache bereichert wird. Auch ersinnt er Wortspiele und aussagestarke Neologismen wie „azurbeladen“, „flinkernd“, „zikadendurchzirpt“ oder „Allraumnetz“. Einige Gedichte scheinen augenzwinkernd Texte des Literaturkanons zu zitieren, vielfach die Genesis oder Gedichte wie Mörikes „Er ist’s“ oder Heines „Fichtenbaum und Palme“, aber auch Volkstümliches in Knittelversen, die an Wilhelm Busch erinnern.
Auch formal werden unterschiedliche Wege beschritten. Einige Texte weisen Elemente konkreter Poesie auf und treiben ihr Spiel mit kombinatorischen Möglichkeiten, Überkreuzstellungen oder der grafischen Anordnung der Zeilen. Andere orientieren sich an klassischen Vorbildern und verwenden Endreim und Strophenform. Wieder andere stiften mit Dada-Kunstgriffen, Redundanz und Lautmalerei Verwirrung und verweisen so auf neue Sinnzusammenhänge. Zwischengeschaltet sind der Sammlung kurze Prosaskizzen, die sich sprachlich in den lyrischen Kontext einfügen.
Am stärksten und originärsten sind wohl jene knappen, frei assoziativen Gedichte von nicht mehr als einem Dutzend Zeilen, die Insel, Natur- und Gesellschaftsszenen in treffender und wohldurchdachter Weise skizzieren. Dabei werden sowohl klare Umrisse gezeichnet, als auch interpretative Graustellen gelassen, Schemen und Rätsel, die der Leser selbst mit Sinn und Bedeutung zu füllen eingeladen ist. Auch Humor und der Sinn fürs Kuriose und Absurde finden ihren Niederschlag im Werk Helmut Hannigs, etwa in der an den Schluss des Zyklus gestellten pseudo-wissenschaftlichen Abhandlung über das Busfahren in den überfüllten, schlecht gefederten Inselbussen oder in dem witzigen zirkulären Gedicht „Hinter der Palme // der Lagune // dem Riff // dem Felsensporn // hinter dem Wellenspiel // dem Horizont // und dem Dahinter // und weit hinter dem Dahinter // sehe ich die Palme // die Lagune // das Riff“.
Helmut Hannigs Savai’i – eine Insel, die mich entdeckt ist ein Zyklus voller Überraschungen und unerwarteter Pointen, der eine Vielzahl von Stilelementen, experimentellen und elaborierten Formen vereint und zu einem Stimmungsbild der Pazifikinsel verdichtet. Vorgesehen ist eine illustrierte Fassung.

Dr. Monika Oertner freie Lektorin


Ein glücklicher Morgen

über den Wassern
im steilen Bug voraus
wächst aus dem Horizont
dein Antlitz, Pazifik-Savai’i
nur die Spitze eines Berges
ein ferner windgehauchter Schweif
die Stirn am Himmel ragend blau
schaust du aus den Wolken nun
mit der Iris deines Mondes
die auf blauen Tüchern ruhn
schon seit Tausenden von Jahren
reift dein Geschmeide nur im Grün
der Wangen Rundung, deine Hügel
ein Hauch von Schleier überziehn
doch kein Geheimnis bleibt geheim
seh den Mund ich aus dem Wasser steigen
in deinem Lächeln die Verführung schon
und deiner Lippen pralles Segel
dein Antlitz wohlgesonnen neigen
in stoischer Gelassenheit
liegt im wunderseligen sich Nähern
gewiss, die Kunst im Schweigen


Nur für dieses eine Gedicht

das aus den unzähligen herausragt
einer strahlenden Fackel gleich
und unerreichbar
über einem Lichthimmel aufscheint
versinkt jeder meiner Schritte
in meinem Unvermögen
seine Aura zu berühren

niemals werde ich
jenes Gedichts teilhaftig
nur meine Gedanken
umfassen die Leuchtkraft
den Federschmuck
eines Paradiesvogels
unvergänglicher Worte

nur dafür
nur für dieses eine Gedicht
glorreicher Poesie
ist das Buch geschaffen
und zwischen den weißen Tüchern
Lettern aus Helle und Silber
ruhen unbeschadet deine Silben
und niemandes Hand
wird je eine Serife krümmen

Dieser Holzdruck kann gesondert für 40,-- Euro plus Versandkosten bestellt werden.

Originalholzdruck von Helmut Hannig nach dem Motiv von:

 


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