Helmut Hannig - Der Hase der Tee trinkt

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Nichts verliert die Erde

Fotos und Texte aus Spanien und meiner näheren Umgebung
Peter Valentin-Verlag, Ludwigsburg
77 Seiten, ISBN 978-3-932290-11-4
€ 14,-- VK

Auszug aus dem Vorwort von Prof. Dr.phil. Albrecht Schau

» „Nichts verliert die Erde“ ist der programmatische Titel des zweiten Lyrikbandes, den Helmut Hannig über den Peter Valentin-Verlag der Öffentlichkeit vorstellt.
Das Bemerkenswerte dieses Lyrik-Bandes jedoch, das ihn von den »Oden«, auch den gängigen Lyrik-Anthologien unterscheidet, ist die Verfahrensweise: die Text-Bild-Montage. Fotografien und Gedichte des Verfassers gehen in „Nichts verliert die Erde“ eine spannungsvolle Korrespondenz ein. Eindeutig wird der Sachverhalt, wenn man sich an das Beschreibbare hält: Die Fotografien sind in einem nüchternen, fast kühl anmutenden Schwarzweiß gehalten, zeigen Weltausschnitte in ihrer Nacktheit, ungeschönt, schonungslos, zeigen sie ihre Isoliertheit, ihre Einsamkeit. Und auch das ist beschreibbar. Sie sind – von ganz wenigen Ausnahmen einmal abgesehen – menschenleer. Einen Bezug zum Menschen stellen erst die Texte her. Die Fotos sind in der überwiegenden Mehrzahl Mitbringsel des Vagabunden Hannig von fernen Reisen in den sonnegewohnten Süden.
Die Bild-Text-Collagen kreisen um wenige, immer wiederkehrende Themen: um Reisen, um Aufbruchstimmung, Kindheit und Alter, um den ewigen Prozess des »Stirb und werde«, wie ihn das häufig vertretene Meer höchst anschaulich zu erkennen gibt. Diese Themen sprechen aus den fotografierten Gegenständen: aus einem verdorrten Baum, einem alten Weinfass, aus Schiffswracks, aus zerfallenen Häusern, einer alten Laterne usw. Das Abgestorbene aber erweist sich als höchst lebendig noch. Das zeigen die gedämpften literarischen Impromptus, die Hannig den Fotografien mit auf den Weg gibt.
Passend zu den Fotos wechselt Hannig den Sprachgestus: barockes Vanitasdenken und barocke Sprachgebärde verbinden sich mit kühner, ungewöhnlicher Metaphorik, gelegentlich auch mit Archaismen, die man mögen muss. Hinzukommt eine kontemplative Grundstimmung, die sowohl den Gedichten als auch den fotografischen Bilddokumenten innewohnt.(...)«


Textbeispiele aus 32 Bild-Text-Collagen:

Nichts verliert die ErdeZum Fotomotiv von
Meereswellen:


Mit jeder Welle
öffnet das Meer seine Lippen
um zu sagen,
ich befeuchte dich – Erde,
damit ich eindringen kann
mit meinem lebendigen Geheimnis,
mit jeder Welle – Wort
will ich dir sagen – Erde,
dass wir einig Freunde sind
in der Beständigkeit unseres Kampfes



Nichts verliert die ErdeWeinfass 6oo Jahre alt

Wie reich waren
die verflossenen Jahre,
die ihre Spuren
in meinem Antlitz
hinterlassen haben,
die mich anfüllten
ohne schwer zu sein,
die ich ertrug
mit der Leichtigkeit
meines Alters



Fußspuren im Sand

So
wie du kamst,
bist du gegangen,
nackt,
wie die Erde
die dich trug
und das Meer
in seiner Leichtigkeit,
nackt und frei
mit seinem Gesang.
Auch deine Sprache
hast du entblößt,
wie dein Wesen
das so zart empfindet
hat mein Herz gestillt,
und auf deinen Lippen
hat ein Du sich losgelöst.
Deshalb bist du dagewesen,
nackt
wie du kamst,
bist du gegangen

 

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